Warum sind Gentests beim Boxer wichtig?

  • ISAG 2006/2020 ist ein Abstammungsnachweis, ob der Nachkomme von den angegebenen Eltern abstammt.
  • DLA, je unterschiedlicher die DLA`s sind , umso höher die Diversität in der Rasse
  • je niedriger der IK um so höher die genetische Diversität
  • Hämophilie A & DM diese Test`s sind wichtig, damit keine Träger miteinander  verpaart  werden
  • SRMA, hier wird nach einem Test gesucht
  • unser Partner Labor in allen gesundheitlichen Fragen "Feragen"

 DLA – Gene in der Boxerpopulation

Es wurden bisher weit über 267 Boxer typisiert, aber bis jetzt konnten erst 4 verschiedene Haplotypen festgestellt werden. Der Haplotyp 4 wurde erst 2020 gefunden. Zurzeit tragen ihn zwei Boxerrüden und eine Boxerhündin. Das heißt über 98,5  % besitzen nur 3 verschiedene Haplotypen!
Es wurde bei den letzten Auswertungen eine weitere DLA Variante gefunden, die aber noch nicht publiziert wurde. Wir warten nun auf einen weiteren Fund, um daraus eine wissenschaftliche Arbeit zu machen. Erst dann können wir diese Variante in unserer Tabelle einfügen!
Eine im Jahr 2007 erschienene Publikation von Dr. Kennedy (Canine DLA diversity: New alleles and haplotypes) fand in einer Studienpopulation von 41 Boxern 5 verschiedene Haplotypen. Ein Augenmerk dieser Arbeit lag ganz klar darauf, Hunde aus unterschiedlichen geographischen Regionen zu inkludieren, was die beiden zusätzlichen Haplotypen verglichen zu unserer aktuellen Testpopulation erklären dürfte.

Die getesteten Hunde stammen überwiegend aus Österreich, Deutschland und vereinzelt aus Italien, Schweiz, Kroatien, Niederlande und Frankreich. Im Allgemeinen gehen wissenschaftliche Studien davon aus, dass pro Rasse im Durchschnitt 7 unterschiedliche Haplotypen vorhanden sind.
Diese Zahl kann allerdings sowohl nach oben (höhere Diversität) als auch nach unten (geringere Diversität) abweichen. Innerhalb dieser Genkombinationen gibt es meist eine unterschiedliche Verteilung. Das heißt, häufig sind sogenannte dominante Haplotypen zu finden. Das sind jene Genkombinationen die innerhalb der Population bei vielen Hunden vorkommen, gefolgt von Haplotypen die weniger häufig sind.

Beim Boxer ist ein dominanter Haplotyp zu finden, der bei 47,9 % aller getesteten Hunde nachgewiesen werden konnte. Die beiden weiteren Haplotypen kommen mit einer Häufigkeit von 31,6 % und 18,9 % vor. Und eine Haplotype liegt bei 1,5 %.  Die Verteilung der Genkombinationen kann natürlich dahingehend beeinflusst werden, wenn viele verwandte Hunde in die Typisierung mit einbezogen werden.
Der Grund liegt darin, dass verwandte Hunde mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ähnliche oder gleiche Haplotypen besitzen als vollständig nicht verwandte. Die Haplotypen werden als eine dreier Kombination von Zahlen angegeben, die primär für uns Biologen von Interesse ist. Für den Züchter ist es aber interessant zu wissen ob der Hund homozygot oder heterozygot ist, also ob er zwei unterschiedliche oder zwei gleiche Genkombinationen besitzt. Bei homozygoten Hunden sind die Zahlenkombinationen gleich und bei heterozygoten unterschiedlich

Eine Verpaarung von zwei homozygoten Hunden, die allerdings unterschiedlich homozygot sind, würde beispielsweise 100 % heterozygote Nachkommen bringen. Das heißt, die Informationen aus den DLA-Typisierungen können entsprechend in der Zucht eingesetzt werden. 

genomischer Inzuchtkoeffizient, kurz IK genannt

Zusätzlich zu den Verwandtschaftsanalysen lassen sich genomische Inzuchtkoeffizenten berechnen. Der IK ist bislang die bekannteste Möglichkeit die genetische Diversität zu ermitteln, allerdings auf Basis der Ahnentafeln. Dieser macht aus genetischer Sicht eine mathematische Vorhersage darüber wie Wahrscheinlich es ist, dass 2 gleiche Allele (Genvarianten) an einem Genort von einem gemeinsamen Vorfahren stammen. Der Wert des IK steigt umso stärker je näher eine Blutsverwandtschaft von Individuen ist. Umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Individuen genetisch sehr ähnlich sind. Ein Anstieg des Inzuchtniveaus führt gleichermaßen auch zu einer Abnahme der genetischen Diversität. Die Berechnung von IK basierend auf Ahnentafeln ist seit vielen Jahren ein gängiges Tool. Diese Art der Berechnungen hat leider auch Nachteile, da nicht immer alle Ahnentafeln vollständig sind oder die tatsächlichen Ahnen, sofern nicht durch Abstammungsgutachten bestätigt, abweichen können. Das heißt die Datenbasis für die Berechnungen kann somit Fehler in sich bergen und zu inkorrekten Berechnungen führen. Die Ermittlung genomischer IK bleibt von diesen Faktoren unbeeinflusst. Hierfür werden genetische Daten und somit der IST-Status eines Hundes als Datenbasis verwendet. Inzuchtkoeffizienten können bis zu 50 Generationen zurück berechnet werden und somit in einem detaillierten Zucht- und Diversitätsmanagement einer Rasse eingesetzt werden

ISAG 2006 oder 2020

Aus Sicht der genetischen Diagnostik war es viele Jahre eine große Herausforderung genetische Diversität zu messen. Diese also wirklich für jeden Hund basierend auf seinen Genen zu bestimmen und nicht anhand der Ahnentafeln. Heute können wir dies relativ einfach durch die Testung von mehreren hunderttausenden genetischen Markern. Diese Marker sind gleichmäßig verteilte kleine Bereiche auf der DNA eines jeden Hundes. Diese sagen uns ob ein Hund von seinen Eltern unterschiedliche Gene geerbt hat oder nicht und wenn ja in welchem Ausmaß. Zudem kann festgestellt werden, wie verwandt zwei Hunde miteinander sind. Es ist eine sehr präzise Form basierend auf DNA-Daten Verwandtschaften von zwei Hunden vorhersagen zu können. Und das ganz unabhängig von Ahnentafeln. Mit diesen Verwandtschaftsanalysen kann beispielsweise der Verwandtschaftsgrad von Hunden ohne jegliche Informationen zu diesen ermittelt werden. So kann das Resultat ergeben, dass keine Verwandtschaft besteht oder eine Verwandtschaft wie wir sie für Eltern zu Nachkommen, Vollgeschwistern, Großeltern zu Enkel etc. erwarten würden. Diese Information kann auch sinnvoll in der Zucht bzw. bei Verpaarungen eingesetzt werden. So können beispielsweise bevorzugt jene Hunde verpaart werden, deren Verwandtschaftsgrad am geringsten ist und damit die genetische Vielfalt in den Nachkommen bewusst erhöht bzw. hoch gehalten werden. 

Hämophilie A (Deutscher Boxer) - Hem A, Faktor VIII Defizienz

Die Hämophilie A beim Boxer ist eine genetisch vererbte Blutgerinnungsstörung, ausgelöst durch einen Mangel an dem Gerinnungsfaktor VIII. Betroffene Hunde zeigen schnell blaue Flecken, haben häufig Nasenbluten, bluten stärker beim Zahnwechsel und zeigen stärkere und länger andauernde Blutungen bei Operationen oder Verletzungen. Zusätzlich können auch Einblutungen in Gelenken und Muskeln auftreten, was durch Lahmheit oder einen Steifen Gang sichtbar wird. Der Schweregrad der Erkrankung ist sehr individuell, wodurch die Gerinnungsstörung nicht immer sofort erkannt wird. Bei einer geplanten Operation sollten ausreichend Blutkonserven bereit gehalten werden. 

Degenerative Myelopathie (DM) Exon 2

Die canine degenerative Myelopathie (DM) ist eine schwere neurodegenerative Erkrankung mit spätem Beginn ungefähr ab dem 8. Lebensjahr. Die Erkrankung ist durch eine Degeneration der Axone und des Myelins im Brust- und Lendenteil des Rückenmarks gekennzeichnet, was eine progressive Ataxie und Parese verursacht. Man beobachtet die ersten klinischen Anzeichen in der Hinterhand als Zeichen einer Störung des oberen Motoneurons. Es entwickelt sich eine unkoordinierte Bewegung der Hinterhand, eine gestörte Eigenwahrnehmung und gestörte Reflexe. Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, weitet sie sich auf die vorderen Gliedmaßen aus und manifestiert sich als schlaffe Parese und Paralyse. Die Degenerative Myelopathie wurde zuerst als eine Rückmarkserkrankung insbesondere beim Deutschen Schäferhund beschrieben. Neben dem Deutschen Schäferhund sind aber viele weitere Rassen von der degenerativen Myelopathie betroffen. Als Risikofaktor für die Entwicklung einer DM wurde eine Mutation im Exon 2 des SOD1-Gens bei vielen Rassen nachgewiesen. Bei Berner Sennenhunden gibt es zusätzlich eine Mutation im Exon 1 dieses Gens, die ebenfalls mit der DM in Zusammenhang steht. Für den Berner Sennenhund können beide Mutationen untersucht werden. Die Anforderung kann zusammen oder einzeln erfolgen.
Erbgang
autosomal-rezessiv mit altersabhängiger unvollständiger Penetranz; Nachgewiesen wird ein Risikofaktor, der mit der DM assoziiert ist. 
Quelle: Laboklin

SRMA  

Was ist SRMA?

SRMA steht für Steroid responsive Meningitis-Arteriitis. Dies bedeutet, dass eine

Entzündung von Hirnhaut (Meningitis) und der umliegenden Gefäße (Arteriitis)

vorliegt, welche auf Steroide anspricht.

SRMA ist eine der häufigsten Formen der Hirnhautentzündung bei Hunden.

Die Entzündung entsteht durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems

gegen die eigene Hirnhaut. Durch die vielen aktivierten Entzündungszellen werden

auch Gefäße geschädigt. Die genaue Ursache für diesen Angriff des Immunsystems

auf den eigenen Körper ist nicht bekannt. Meistens tritt die Erkrankung akut auf. Es

ist jedoch möglich, dass sich aus einer akuten eine chronische Form entwickelt. Dies

tritt vor allem in Fällen auf, in denen die Erkrankung nicht behandelt wird oder der

Hund nur ungenügend auf die Behandlung anspricht.


Welche Tiere sind von SRMA betroffen?

Grundsätzlich können Hunde aller Altersklassen und Rassen an SRMA erkranken. Es

gibt jedoch eine Prädisposition für gewisse Hunderassen wie Boxer, Beagles, Nova Scotia Duck Tolling Retrievers, Berner Sennenhunde, Weimaraner, Jack Russel

Terrier, Border Collies und Whippets.


Bislang wurde keine Studie zur Korrelation von Rasse und Geschlecht bei SRMA erkrankten Hunden bezogen auf die Gesamtpopulation eines Landes in Europa veröffentlicht. Publizierte Studien wie die von ROSE etal. (2014) und LOWRIE etal. (2009) nutzen lediglich Klinikinterne Datenbanken als Referenz für die Analyse der Rassebezogenen Inzidenz von SRMA. Mit dieser Einschränkung kommt die Studie von ROSE etal. (2014) zu dem Schluss, das Boxer, Beagle, Border Collies, Jack Russel Terrier, Weimaraner und Whippets prädisponiert sind an SRMA zu erkranken. Im Gegensatz dazu wird in der vorliegenden Arbeit erstmals eine landesweite Datenbank zum vorkommen von Hunderassen als Vergleichsgröße herangezogen. Es kann damit für Boxer und Beagle eine signifikants höhere Erkrankungsrate im Vergleich zu anderen Hunderassen aufgezeigt werden. Es ist dabei hervorzuheben, das bei Boxern und Beaglen nicht nur häufiger als bei anderen Hunderassen SRMA diagnostiziert wurde, sondern das diese beiden Rassen in der Tat bezogen auf ihre Häufigkeit in Deutschland ein höheres Erkrankungsrisiko haben, als andere Rassen. Dadurch wird die Aussage vorheriger Studien bezüglich der Prädisposition von Boxern und Beaglen unterstützt. (Quelle: Dissertation von Elisabeth Hilpert, Klinik für Kleintiere der vet. Fakultät der Universität Leipzig, 2021, Steroid-responsive Meningitis-arrteriitis: Epidemiologe Prognose)
und hier geht es zur Studie

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